Endy Hupperich in "Kunst am Isartor"
"Finger an die Ecke" / Kulturen-Mix in einer globalisierten BilderflutMünchen, 10. November 2010 – Seit einem Jahr können alle Münchner direkt am Isartor Werke zeitgenössischer Künstler aus der Region bestaunen. In den Räumen der WTS Gruppe, eine der größten deutschen Steuerberatungsgesellschaften, erscheint nun die fünfte Ausstellung. Der Münchner Künstler Endy Hupperich zeigt in "Finger an die Ecke" einen Überblick seines zeichnerischen und malerischen Oeuvres der letzten Jahre und übersetzt Bilder und Botschaften aus Grafikdesign und Werbung in Malerei. Vom 11. November 2010 bis 14. Januar 2011 können die Werke des Münchner Künstlers Endy Hupperich besichtigt werden. („Kunst am Isartor“, Thomas-Wimmer-Ring 1, Mo-Do 15-19 Uhr).
Endy Hupperich konfrontiert eine abstrakte, mal pastos, mal flächige Malerei mit kontrastierenden Figuren, Parolen und Ikonen aus der für uns immer und jederzeit konsumierbaren Welt. Dabei zitiert er beiläufig Alltägliches und kombiniert dies mit Inhalten aus Internet, Werbung und Tagespresse. Doch es ist kein Akt bloßen Sammelns und Collagierens, Endy Hupperich zerstückelt, zerstört, übermalt und zugleich erfindet und interpretiert er neue Malerei.
Seine Themen lassen sich nicht so leicht zuordnen, scheint er doch manchmal alles um sich herum wahrzunehmen, „aufzusaugen“, alltägliche Begebenheiten sowie absurde Randerscheinungen. Er spielt mit dem Auge des Betrachters und führt uns in seine Welt voller Klischees der Werbung unterschiedlichster Zeit. Hier "ixt" er bis zur Unkenntlichkeit Zusammenhänge aus, so dass die rein plakative Form gewaltig zurückbleibt: ein leicht verblasster Elvis reitet, den Hut schwingend, auf einem weißen Elefanten, während schwarze Sterne in Bewegung geraten und gleich Schwalben davonfliegen (Speedweeler, 2006).
Hupperich, ganz Maler, schafft große Flächen und Formen, die abermals eine Zuordnung erschweren. So lässt sie sich kaum fassen, die malerische Welt des Endy Hupperich, so wie sich auch der banale Wahnsinn Tag für Tag kaum erklären lässt.
Die Ausstellung “Finger an die Ecke” in der “Kunst am Isartor” zeigt Arbeiten aus den letzten Jahren sowie ganz aktuelle Werke. Die Bandbreite von Hupperich ist enorm, nicht nur inhaltlich, sondern auch was die Wahl der unterschiedlichen Materialien angeht: Cut Outs und Kopien, Bleistift, Tusche und Lack auf Papier neben Ölfarbe auf Holz und Leinwand.
Fundstücke des kulturellen Genre-Mix zeigen Trickfiguren, Schauspieler, Werbeikonen und Klischees. Ein perfektes Abbild der Hausfraulichkeit im 50ies- Look trifft auf Heidi und Peter: ein kitschiges Kinderpaar wird von Graffiti fast komplett übermalt, während in großen Lettern „Jesus loves me“ auf der Leinwand prangt. Bilderfluten einer globalisierten Welt, zwischen gestern und heute, in der scheinbar alles existiert oder fehlt? Interessant ist dabei die unaufhörliche Verkettung der Verweise, der Erinnerungsstücke, Souvenirs und Bilder, die Hupperich zu Tage treten lässt. Er thematisiert - mit viel Humor versteht sich - das sich ständige Überlagern von visuellen Informationen, Banalitäten und Assoziationen.
Wie ein Wandelnder zwischen ehemals sich stark unterscheidenden kulturellen Welten zeigt der Münchner Maler visuelle Einflüsse aus Europa, aber auch aus den USA und Mexiko, die sich in Zeiten der Globalisierung immer weiter angleichen und ihren originären Charakter verlieren.
Endy Hupperich wurde in Kaufbeuren geboren und lebt und arbeitet heute in München und Mexiko Stadt. Von 1990 bis 1997 studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei den Professoren Helmut Sturm und Robin Page (Meisterschüler bei Helmut Sturm). Ab Ende der 90er Jahre stellte er in München unter anderem in den Galerien Klaus Lea, Klüser 2 und Marie-Jose van de Loo aus. Aber neben der eigenen künstlerischen Tätigkeit war Hupperich die Lehre und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Malerei von Anfang an sehr wichtig. 2002 bis 2004 nahm er eine vom DAAD geförderte Gastprofessur für Malerei und Zeichnung an der „Escuela Nacional de las Artes La Esmeralda“ in Mexiko-Stadt an. Diese Zeit war prägend für den Münchner Maler, beruflich wie privat, und schlägt sich bis heute thematisch und grafisch in seinen Werken nieder. Seit 2006 bekleidet er einen Lehrauftrag für Zeichnen und freies Gestalten an der Fachhochschule Augsburg, 2007 wurde er zudem Dozent für Malerei an der Kunstakademie Bad Reichenhall. 2008 ist Endy Hupperich nun an seine künstlerische Ausbildungsstätte zurückgekehrt und seitdem Assistent bei Prof. Markus Oehlen an der Akademie der Bildenden Künste München. Zahlreiche Ausstellungen in Galerien und Museen im In- und Ausland zeigen malerische, zeichnerische und grafische Arbeiten von Endy Hupperich. Seine Bilder sind in der Grafischen Sammlung der Bundesrepublik Deutschland, der Bayerischen Staatsgemäldesammlung sowie in Sammlungen der Telekom, BMW, Hypo-Vereinsbank und vielen anderen vertreten.

